Das ging aber schnell: Kaum ist der GUT.-Vorschlag „Sonnenschirm statt Euro Rettungsschirm – PIIGS werden leuchtende Energiestaaten“ veröffentlicht (05.06.12), schon (06.06.12) reagiert die EU-Kommission mit einer Mitteilung über eine „EU-Strategie zu erneuerbaren Energien für die Zeit nach dem Jahr 2020„! Was steht da drin? Am besten erklärt uns das Herr Altmaier (derzeit, Stand: 11.06.12, aktueller deutscher Bundesumweltminister):

"Mit der heute veröffentlichen EU-Strategie zum Ausbau der erneuerbaren Energien nach 2020 setzt die EU-Kommission ein wichtiges erstes Signal, rechtzeitig für Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen auch über das Jahr 2020 hinaus zu sorgen" (Zitat BMU Pressedienst Nr. 082/12– EU/ErneuerbareEnergien).

Rechtzeitig investieren? Verlässliche Rahmenbedingungen? 2050? Wird also erstmal daran gearbeitet, wie der Markt des erneuerbaren Energiesektor von 2020 bis 2050 für Großinvestoren und -konzerne aufgeteilt werden kann? Das klingt irgendwie nicht nach dem von uns vorgeschlagenen Konzept zur lokalen und dezentralen Energieversorgung. Schnelle und unmittelbare Hilfe sieht anders aus. Aber Herr Altmeier hat ja auch noch folgendes dazu betont:

"Für das Gelingen der Energiewende in Deutschland ist es entscheidend, dass die europäische und nationale Ebene reibungslos Hand in Hand arbeiten. Deshalb ist es richtig, dass die Kommission auf eine bessere Koordinierung der Förderpolitiken der Mitgliedstaaten sowie auf eine verbesserte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten setzen will. Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Mitgliedstaaten die Förderung effizient an ihren jeweiligen nationalen Potentialen und Entwicklungen ausrichten können. Das wäre bei einem harmonisierten EU-weit einheitlichen Fördersystem nicht mehr möglich" (Zitat BMU Pressedienst Nr. 082/12– EU/ErneuerbareEnergien).

Aha – jetzt wird also effizient nach den jeweiligen Möglichkeiten ausgerichtet: Betrachten wir gleich mal das nationale Potential und die Entwicklung von Griechenland. Hier werden Suppen und Medikamente verteilt – keine Fördergelder. Sind das die „nationalen Potentiale und Entwicklungen“ von denen Sie sprechen, Herr Altmeier?

Spanien hat die Förderprogramme für erneuerbare Energien offiziell eingestampft … und bekommen jetzt gerade einen Banken-Rettungschirm verpasst. Sind das die „nationalen Potentiale und Entwicklungen“ von denen Sie sprechen, Herr Altmeier?

Italien fährt die Förderung runter. Nicht zu erstenmal. Und wohl nicht zum letztenmal. Sind das die „nationalen Potentiale und Entwicklungen“ von denen Sie sprechen, Herr Altmeier?

Portugal hat sich schon länger verabschiedet. Sind das die „nationalen Potentiale und Entwicklungen“ von denen Sie sprechen, Herr Altmeier?

Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien setzen auf Atomstrom. Sind das die „nationalen Potentiale und Entwicklungen“ von denen Sie sprechen, Herr Altmeier?

Natürlich beinhaltet Ihre Betrachtungsweise viel Gutes: In Deutschland gibt es mit dem EEG-Gesetz „nationales Potential und Entwicklungen“, die es ermöglichen, den Atomstromstaat Frankreich in Problemzeiten mit Strom aus deutschen Photovoltaik-Anlagen zu versorgen. Das ist doch mal ein Lichtblick … oder?
Insofern bitten wir Sie um Unterstützung. Reden Sie doch mal mit Herrn Brüderle. Herr Brüderle hält das EEG für ein Auslaufmodell, dem Mann kann doch geholfen werden, oder? Ach ja … noch was: Die EU möchte die Förderungen für Öko-Strom so schnell wie möglich einstellen. Bitte bleiben Sie fest bei Ihrer Ablehnung von „harmonisierten, EU-Einheitlichen-Förderungen“. Dazu sind das „nationale Potential und Entwicklungen“ in Deutschland viel zu gut. Eins noch:
Wir sehen da am Horizont eine Entwicklung, auf die Sie sich vielleicht vorbereiten sollten: Bis 2020 sollen die erneuerbaren ja EU-weit 20% des Gesamtenergiebedarfs decken. Nachdem für Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien „nationales Potential und Entwicklungen“ nicht viel erwarten lassen, muss Deutschland zum Erreichen dieses EU-Ziels wohl am meisten beitragen. Da liegt der notwendige deutsche Anteil an erneuerbarer Energie wahrscheinlich ganz schnell bei über 120%. Das lässt sich bestimmt genauer ausrechnen. Vielleicht macht das Ihr EU-Kommissar Herr Öttinger für Sie. Der Herr Öttinger hat da einen „intelligenten Stromzähler„, der so intelligent ist, dass er gleich auch noch die EU-Datenschützer auf den Plan ruft. Bevor also dieser intelligente Zähler in die Tonne kommt ...