Sehr geehrter Herr Altmeier,

da weht Ihnen ja ein heftiger erneuerbarer Energiekosten-Wind ins Gesicht. Und Sie machen sich zurecht Sorgen über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die soziale Verträglichkeit von Strompreiserhöhungen, die explodierenden Kosten des EEG (190 Mrd.) und den zu schnellen Ausbau von Windenergie zu Lande. Und dann auch noch der Netzausbau (4,5 Mrd.) mit Smart Meter (5,7 Mrd.) … da werden Ihnen Zahlen in Größenordungen um die Ohren geworfen, an die sich der Finanzminister gerade erst gewöhnt hat. Was ist zu tun?
Kopf hoch, Herr Altmeier – Sie schmeissen einfach mit Zahlen zurück und fangen mit den entstehenden Kosten für den Netzausbau an: 4.500.000.000 Euro pro Jahr. Dann holen Sie sich die freiwerdenden 5,8 Mrd. aus vermiedenem Aufwand zur Behebung von Umweltschäden (Quelle: Umweltbundesamt „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland, aktualisierte Ausgabe 2010“ und Fraunhofer Institut „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung vom 2.2.2012„) durch die Erzeugung von EE-Strom dazu. Der Rest ist einfach und funktioniert ohne Reform des EEG Stand 2011:

Schritt 1

Sie kündigen für 2013 die erste bundesweite Zwangsschenkung für alle privaten EE-Erzeugern mit Anlagen bis 10 kWp an. Die bekommen alle eine intelligente Batteriespeicher-Lösung. Nicht so ein Gefummel, sondern was mit optionaler Mehrquelleneinspeisung, intelligentem Energiemanagement, hochwertigen Wechselrichtern und mit wunderbaren Stromzählern. Gibt’s für ca. 17.000 Euro mit Installation und hat in jedem Hausflur Platz. Das macht bei den 585.758 Anlagen (PV, Biogas, Wind und Wasser) 9.957.886.000 Euro.

Schritt 2

342.114.000 Euro bleiben übrig und gehen zum Teil in die Forschung (z.B. 100 Mio. in die Forschung des Zukunftsmarktes zur Beseitigung nuklearer Abfälle und 100 Mio. in die Forschung zur Optimierung von EE-Stromspeichern für Anlagen ab 20 kWp) und das Restgeld geben Sie den Netzbetreibern und dem Bundesumweltamt damit die noch ein paar Leute einstellen können um ihre Statistiken auf Vordermann zu bringen.

Schritt 3

Sie kündigen für 2014 die gleiche Maßnahme für Anlagen von 10 bis 20 kWp an.

Schritt 4

Anfang 2014 haben Sie wohl nur noch 9 Mrd. zur Verfügung (weil die Umweltschäden geringer ausgefallen sind) und schenken allen privaten 193.474 EE-Erzeugern mit Anlagen von 10 bis 20 kWp eine entsprechend dimensionierte Stromspeicher-Lösung. Zu haben für ca. 46.000 Euro. Macht 8.899.804.000 Euro (knapp 9 Mrd.). Bleiben in diesem Jahr nur noch 100.196.000 Euro für die grossen Stromtrassen übrig. Das ist schade aber die Stromverbraucher drücken u.U. auch diesen Winter ein Auge zu.

Schritt 5

Sie kündigen für 2015 die gleiche Maßnahme für Anlagen von 20 bis 30 kWp an.

Schritt 6

2015 wird es knifflig: Sie haben wahrscheinlich nur noch 8 Mrd. zur Verfügung (weil die Umweltschäden wieder geringer ausgefallen sind) und können nur hoffen, dass die Forschung (aus Schritt 2) zur Marktreife von intelligenten, dezentralen Stromspeicher-Akkus für Anlagen bis 30 kWp geführt hat. Kosten darf die Speicherlösung jedenfalls maximal 62.153,30 Euro. Diese Speicherlösung schenken Sie allen 128.714 privaten EE-Erzeugern mit Anlagen von 20 bis 30 kWp.

Natürlich werden Sie gefragt, was Sie mit diesen Maßnahmen bezwecken wollen. Darauf können Sie dann Antworten: „Es liegen über 95% der Solarstrom-Leistung im Mittel- und Niederspannungsnetz. Selbst bei der Biomasse sind es über 80%. Der Ausbau von Höchstspannungsnetzen ist deshalb letztlich ohne nennenswerte Bedeutung, wenn es tatsächlich darum geht diese Leistung aufzunehmen. Man muss vielmehr die unteren Netzebenen ertüchtigen!“ (Quelle und Zitat: energymap.info). Danach nehmen Sie folgende Zahlen zur Hand und werfen diese gleich hinterher.

1.

Mit dem verfügbaren dezentralen Akku-Stromspeicher für erneuerbare Energie mit einem Volumen von 15,953 Gigawatt verschwindet der zu billige EE-Strom zu Spitzenlastzeiten vom Spotmarkt und senkt die EEG-Umlage. Klingt komisch, ist aber so (siehe Seite 13 aus „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung vom 2.2.2012„). Das wiederum macht den Strom für alle Betroffenen der EEG-Umlage günstiger.

2.

An dem EEG Stand 2011 wird nichts geändert. Somit bleiben erhalten:
- 382.000 Arbeitsplätze (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)
- 10.200 Unternehmen (Quelle: BSW Solarwirtschaft)
- 55 % Exportquote (Quelle: BSW Solarwirtschaft)
- 1,4 Mrd. jährliche Steuereinnahmen nur aus Photovoltaik-Technologie (Stand 2010, Quelle: Roland Berger/Prognos)
- und jährlich insgesamt 8,9 Milliarden Euro Wertschöpfung auf kommunaler Ebene (Stand 2010, Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Jetzt bleibt noch folgendes zu tun:

– Die von Hr. Öttinger avisierten 40 Mrd. Euro für den Netzausbau neu berechnen.

- Die Kosten für einen flächendeckenden Einbau von intelligenten Stromzählern (smart meter) von 5,7 Mrd. Euro (Quelle: Die Welt, 12.10.12) neu berechnen.

- Die Einsparung an Stromzukauf berechnen und evtl. der EEG-Umlage zuführen. Bitte vorher die Steuereinnahmenverluste aus den Umsätzen der BIG 4 abziehen.

- Überlegen, ob Sie Ihr Programm auf die privaten EE-Anlagen für 30 bis 100 kWp ausdehnen können. (27.274 Anlagen mit einem Speicherpotential von zusätzlich z.B. 1,363 GW).

- Wertschöpfungrechner anwerfen.

- Die Anfragen aus dem Ausland zur Umsetzung der Technologie „Beseitigung nuklearer Abfälle“ beantworten (Folge aus Schritt 2).

Wie gesagt, Kopf hoch, Herr Altmeier. Der Netzausbau senkt die Stromkosten. Sie müssten nur daran denken, die gestaffelte Eigenverbrauchszulage im Tausch gegen den Strom-Speicher einzukassieren. Das könnte sonst bei flächendeckend ca. 70 % Eigenverbrauch von erneuerbarem Strom ins EE-Umlage-Geld gehen. Andererseits können Sie die Zulage auch beibehalten, da ca. 40 % weniger EE-Strom vergütet werden müssen.

P.S.:
Optional gäbe es noch ein Hersteller- oder Verkaufsverbot für Geräte mit Stand-By-Funktion (Einsparung ca. 100 Euro pro Haushalt / Jahr), aber das macht vielleicht Stress mit dem Wirtschaftsminister und will gut überlegt sein. Vielleicht doch besser die kostenlose Energieberatung für alle deutschen Haushalte. Kostenlos? Was veranschlagen Sie dafür? 50 Euro pro Haushalt? Macht bei 40 Mio. Haushalten 2 Mrd. Euro? Also nur falls Ihnen noch Geld fehlt um die EEG-Umlage für alle Betroffenen nachhaltig zu senken …

P.S.P.S.:
Die Zahlen zu den vorhandenen EE-Anlagen (Stand bis 30.05.2012) konnten wir nur bei energymap.info finden. Das ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.. Wenn Sie an aktuellere Zahlen z.B. von den EVU, den Netzbetreibern oder dem Statistischen Bundesamt rankommen, bitte so veröffentlichen, daß wir diese auch finden. Das könnte auch folgende Aussage


„Die Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur behaupten, dass im Jahr 2011 Solarstromanlagen mit etwa 7,5 Gigawatt zugebaut wurden. Damit wird unter anderem der hohe Anstieg der EEG-Umlage als auch die Forderung nach einer rapiden Kürzung der PV-Vergütung begründet. Bedenkenswert ist jedoch, dass selbst im Mai 2012 von den Netzbetreibern für 2011 lediglich der Zubau von nur rund 5,2 Gigawatt nachgewiesen werden kann!“
(Zitat aus energymap.info)

klären und wäre bei der Umsetzung des Netzausbau für die nächsten 3 Jahre hilfreich.

Herzlichst,
Ihre GUT.