Die wenigsten haben die Möglichkeit mit eigenem Sonnen-, Wind- oder Wasserkraftanlagen echten Ökostrom zu erzeugen und auch gleich selbst zu verbrauchen. Doch die Nachfrage nach Ökostrom steigt. Auch nach der letzten Strompreiserhöhung haben viele Stromkunden ihren Anbieter gewechselt. Umweltbewusste und verantwortungsvolle Kunden sind bereit etwas mehr für Ökostrom bzw. „grünen Strom“ zu bezahlen. Natürlich in dem Glauben etwas nachhaltig positives zu bewirken.
Und hier wird aus unserer Sicht Augenwischerei betrieben und ein steigendes Umweltbewusstsein und Engagement schamlos genutzt. Denn selten genug ist auch wirklich Ökostrom drin wo Ökostrom draufsteht.

Beispiel 1:
Stromanbieter verteilen häufig Strom aus bereits vorhandenen umweltfreundlichen Quellen und verkaufen diesen separat in einem Ökostromprodukt zu einem meist höheren Preis.
Der Haken:
In diesem Fall erhalten die normalen Stromkunden des Anbieters, also jene mit konventionellen Produkten, zum Ausgleich einen höheren Anteil an fossilem/atomarem Strom.

Beispiel 2:
Ein Anbieter bietet günstig Öko-Strom aus 100% regenerativer Energie und das Produkt verfügt über ein TÜV-Zertifikat-Label.
Der Haken:
Die dazu genutzten Wasserkraftwerke sind in der Regel uralt und tragen zum Ausbau erneuerbarer Energien absolut nichts bei. Und das TÜV-Zertifikat-Label bezieht sich rein auf die Service-Leistung des Anbieters. Und zum Schluss stellt sich heraus, das der Anbieter (mit eigenem Firmennamen, Firmensitz) eine 100%ige Tochter eines der großen vier Anbieter ist.

Aus unserer Sicht ist es durchaus von Bedeutung auf Eigentumsverflechtungen mit der Atomindustrie und Kohleindustrie zu achten.

Ein Tipp:
Verivox, Check24, strompreisvergleich und Co … stellen bei den jeweiligen Angeboten zusätzliche Informationen zur Verfügung. Hier wird mit ein wenig Recherche der Hintergrund des jeweiligen Anbieters offensichtlich.
Doch Achtung:
Bei der Suche nach echtem Ökostrom mit garantierter Investition in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sind die Preisvergleich-Anbieter nicht vollständig. Hier ist weitere Recherche angesagt.

Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Also gibt es verschiedene Maßnahmen den potentiellen Kunden vermeintliche Entscheidungshilfen an die Hand zu geben.
Was es da alles gibt: Plaketten, TÜV-Prüfzeichen, Zertifikate, Produktlabel, Gütesiegel …

Werfen wir einen Blick auf die bekannten Zertifikate RECS und EECS:
Hier werden Zertifikate für die umweltfreundliche Stromproduktion vergeben. Wir schließen uns ausdrücklich der Kritik von Verbraucherzentralen und Energieverbänden an. Durch den Handel mit diesen Zertifikaten lässt sich sogar Atomstrom in „grünen“ Strom umetikettieren. Hier empfehlen wir für weitere Informationen http://www.stromauskunft.de/oekostrom/oekostrom-guetesiegel/.

Von weit größerer Bedeutung sind Gütesiegel (tlw. auch „Produktlabel“ genannt).
Zu den bekanntesten gehören TÜV SÜD EE01, TÜV SÜD EE02, naturemade star (Schweiz), ok power, das Ökostromsiegel TÜV Rheinland, RenewablePLUS
und Grüner Strom Label Gold.
Mehr Informationen dazu u.A.: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kostrom

An dieser Stelle unterscheidet die GUT. zwischen
1.
Ökostromprodukten ohne Zubau,
bei denen lediglich Strom aus bereits existierenden Ökokraftwerken an eine
bestimmte Verbrauchergruppe umgeleitet wird. Hier ist ein Beitrag zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien nicht immer nachweisbar.

2.
Ökostromprodukte mit Zubau,
bei denen ein verbindlicher Modus dafür sorgt, dass neue Ökokraftwerke entstehen. Hier besteht ein nachweisbarer Beitrag zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Man muss kein Ökopurist sein um hier eine klare Entscheidung zu treffen. Nachhaltigkeit ist lediglich bei Ökostrom mit nachweisbarem und geprüftem Ausbau gewährleistet und darf sich aus unserer Sicht auch „Ökostrom“ nennen.

Wir empfehlen auch aus Gründen der Klimaneutralität die Produktlabel RenewablePlus und Grüner Strom Label Gold .
Auch Greenpeace Energy, Naturstrom AG investieren einen beachtlichen Prozentsatz des Strompreises in den Ausbau der Erneuerbaren.
Die LichtBlick GmbH (ok-power-Label) geht etwas andere Wege. Hier wird für jeden Kunden und jeden Versorgungsmonat wird mindestens ein Quadratmeter Regenwald unter nachhaltigen Schutz gestellt. Zudem besteht eine Kooperation mit VW zur Errichtung von umweltfreundlichen Gasheizungen (ZuhauseKraftwerk).

Der GUT. Tipp:
Eine Besonderheit bietet die EWS-Schönau AG. Hier geht vom Strompreis ein „Sonnencent“ an den Bau von kleinen, kundeneigenen und ökologischen Kraftwerken. Entstanden aus einer Bürgerinitiative ist die EWS-Schönau für die GUT. das ideale Beispiel für die Machbarkeit von ökologischer, dezentraler und privater Energieversorgung. Hut ab, Danke und weiter so.

Einige Anbieter von „echtem Ökostrom“ sind in den allgemein bekannten „Strompreis-Vergleichsportalen“ nicht zu finden.
Anbieter von Ökostrom mit „Grüner Strom Label Gold“ finden sie u.a. hier
www.gruenerstromlabel.de

Einen weiterer Überblick zu Anbietern (im Einzelfall auf einen nachweisbaren Beitrag zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien zu prüfen):
http://www.oekostrom-vergleich.com/oekostrom-vergleich

Da auch im Bereich der „Ökostrom-Anbieter“ ein Konkurrenzkampf besteht und die angegebenen Web-Seiten unseres Wissens keinen unabhängigen Organisationen angehören kann Vollständigkeit keinesfalls dargestellt werden.

Bitte betrachten Sie die hier getroffenen Aussagen, Links und Angaben allein als Hinweis und Anregung. Die gemachten Angaben sind weder verbindlich noch vollständig und dienen lediglich zur Darstellung eines Missstands und bilden eine Diskussionsgrundlage zur Ökostrom-Label-Problematik.
Sofern Sie Anbieter von (aus unserer Sicht) „echtem Öko-Strom“ sind und hier keine Berücksichtigung gefunden haben … Mail mit Angaben an den GUT.BLOG genügt.