Nach der EEG-Novelle ist vor der EEG-Novelle. Aber soviel neues passiert eigentlich nicht. Wir betrachten die Energiewende bis 2018 im Rückblick.

Vorwort:
Im März 2000 tritt das erste EEG in Kraft. Treibende Kraft der Energiewende werden kleine private Investoren, Bürgerenergiegenossenschaften, Bürgerwindparkbetreiber die insgesamt fast die Hälfte der gesamten Ökostrom-Produktion stemmen. Große Vorlieferanten (RWE, E.ON, Vattenfall, EnBW, etc.) unterschätzen die Dynamik und 93% der Bürger, die den Ausbau von Erneuerbaren Energieen befürworten. Gewinneinbrüche sind die Folge.

Die Bundesregierung bezeichnet die Reform des EEG vom Juni 2014 als „Wichtigen Schritt für den Neustart der Energiewende“.

Neustart? War denn zwischendurch Schluss mit Energiewende?

Wagen wir einen Rückblick:

bis 2009
Bis 2009 wird der EEG-Strom physisch an die Stadtwerke geliefert. Die großen Vorlieferanten (RWE, E.ON, Vattenfall, EnBW, etc.) können dadurch weniger konventionellen Strom an die Kunden/Stadtwerke absetzen.

2009
Am 17. Juli 2009 erlässt die Bundesregierung eine Verordnung (AusglMechV, reformierter Wälzungsmechanismus), die die Vermarktung des EE-Stroms ab 2010 ändert. Und warum? Um einen Betrag von 45 bis 125 Mio. Euro einzusparen und den Markt transparenter zu machen. Klingt logisch, ist aber so!

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt 23,21 bis ct/kWh.

Ab 2010 wird der EE-Strom nicht mehr physikalisch an die Stadtwerke geliefert und abgenommen, sondern muss an einer öffentlichen Strombörse gehandelt werden.

2010
Die großen Vorlieferanten (RWE, E.ON, Vattenfall, EnBW, etc.) beliefern ihre Kunden bzw. Stadtwerke wieder weitgehend vollständig oder sogar zu 100% mit Strom aus Braunkohle, Steinkohle, Atomstrom, Gas.

Die Stadtwerke haben weniger Aufwand und schließen vielfach einen für sie risikolosen Vollversorgungsvertrag mit einem der großen Stromerzeuger und Vorlieferanten über mehrere Jahre ab. Die Strom-Einkaufspreise sind dabei für den Vertragszeitraum fix und schwanken nicht wie an der Börse. Günstige Strom-Einkaufspreise (z.B. 6 ct./kWh) nutzen dann andere.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt 23,69 ct/kWh.

Die Börsenstrompreise purzeln. Im ersten Quartal 2014 liegt der Wert nur noch bei der Hälfte des Wertes von 2008 (siehe auch Strompreise für Verbraucher steigen – Börsen-Strompreise sinken auf Rekordtiefs).

Die EEG-Umlage steigt, da die Differenz zwischen der Vergütung an die EEG-Stromproduzenten und dem niedrigen Strompreis größer wird. Klingt komisch, ist aber so! Nennt sich auch EEG-Paradoxon. Die EEG-Umlage steigt von 2009 zu 2010 um 70 Prozent. Hier greift die AusglMechV von 2009.

EEG-Entwicklung.svg

Grafik: Die Auswirkung der Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus (AusglMechV) vom 17. Juli 2009 mit Wirkung zum 1. Januar 2010
Quelle: "EEG-Entwicklung" von ChstduEigenes Werk – Die Daten stammen von hier. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons.

2011
Die EEG-Umlage steigt von 2010 zu 2011 um 70 Prozent, da die Differenz zwischen der Vergütung an die EEG-Stromproduzenten und dem niedrigen Strompreis größer wird. Hier greift die AusglMechV von 2009.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt 25,23 bis ct/kWh.

2012 – 2013
Die EEG-Umlage steigt von 2011 zu 2013 weiter drastisch, da die Differenz zwischen der Vergütung an die EEG-Stromproduzenten und dem niedrigen Strompreis größer wird. Hier greift die AusglMechV von 2009. Die Braunkohleverstromung in Deutschland mit 162 Mrd. kWh (2013) steigt auf den höchsten Stand seit 1990. Die Stromerzeugung aus Steinkohle hat sich 2013 gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent auf 124 Mrd. kWh erhöht. Der deutsche Stromexport-Überschuss mit 34 Mrd. kWh (2013) erreicht einen neuen Rekord.

Im Juni 2012 wird die Photovoltaik-Novelle verabschiedet. Vergütungssätze für PV-Strom werden „neu gestaltet“ und „atmend“ gedeckelt. Die Steigerung des Eigenverbrauchs wird immer interessanter.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt 25,89 und 28,73 ct/kWh.

Die EEG-Umlage für das Jahr 2014 wird auf 6,240 ct/kWh festgelegt. Diese Steigerung von 18% zum Vorjahr steht einer tatsächlichen Netto-Umlagesteigerung von ca. 3-4% gegenüber. Klingt komisch, ist aber so!

2014
Großabnehmer und Industrie können sich an der Börse für 3,22 Cent/kWh (zum Lieferjahr 2017) mit Strom versorgen. Klingt auch komisch, ist aber so!

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt voraussichtlich 29,73 ct/kWh.

Da die AusglMechV von 2009 offensichtlich nicht in gewünschtem Umfang den Markt transparenter gemacht hat kommt es zur EEG-Novelle 2014.

Die EEG-Novelle 2014 führt mit einer „Verpflichtenden Direktvermarktung“ eine Hürde für die kleinen, privaten Investoren ein. Bürgerenergiegenossenschaften, Bürgerwindparkbetreiber und Privatpersonen werden ab sofort abhängig von hochspezialisierten Vermarktungsunternehmen.

Selbst produzierter und selbst verbrauchter Strom aus Photovoltaik-Anlagen wird mit einer Abgabe belastet („Sonnensteuer“). PV-Anlagen bis 10 kW sind davon ausgenommen („Bagatellgrenze“).

Oktober bis Dezember 2014 (ab hier wagen wir Ausblick und Prognose. Die nachfolgenden Zahlen und Angaben sind fiktiv.)
Die EEG-Umlage 2015 wird um 0,39 ct/kWh gesenkt, auch weil die EEG-Umlage für 2014 zu hoch angesetzt war und Überschüsse angelaufen sind. Herr Gabriel gibt eine Pressekonferenz zum durchschlagenden Erfolg der EEG-Novelle 2014 und feiert die voraussichtliche Senkung der durchschnittlichen Strompreise für Haushalte um 0,02 ct/kWh.

2015 (Ausblick und Prognose. Die nachfolgenden Zahlen und Angaben sind fiktiv.)
Die Zahl der deutschen PV-Firmen halbiert sich nochmals.

Mit der neuen Länderöffnungsklausel (aus der EEG-Novelle 2014) schreibt Bayern höhere Abstände von Windkraftanlagen zu Wohngebäuden vor und legt den weiteren Ausbau im ersten Bundesland lahm.

Durch die Begrenzung des Ausbaus von Biogasanlagen auf 100 MW im Jahr und die Kürzung der Einspeisevergütungen (aus der EEG-Novelle 2014) gibt es nicht genug EE-Back-Up-Kraftwerke zum Ausgleich der geringeren Stromproduktion an Sonnen- oder Windarmen Tagen. Die CO2-Produktion steigt durch die daraus resultierend notwendige Kohleverstromung weiter. Der Strompreis für den Endverbraucher auch wieder, um die Gewinnverluste der Stromkonzerne aus den Vorjahren abzufangen.

2016 (Ausblick und Prognose. Die nachfolgenden Zahlen und Angaben sind fiktiv.)
Die bereits in der EEG-Novelle 2014 geplante EEG-Novelle 2016 tritt in Kraft. Die letzte Bürgerenergiegenossenschaft gibt ihre EE-Pläne auf, weil ab 2017 nur noch Marktteilnehmer Erneuerbare-Energie-Anlagen errichten dürfen, die per Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Die damit verbundenen Transaktionskosten und Zwischenfinanzierungen stellen ein zu hohes Risiko für Kleininvestoren dar.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte beträgt 29,99 ct/kWh.

Oktober bis Dezember 2016:
Die EEG-Umlage für 2017 wird um 0,89 ct/kWh gesenkt und im nächsten Jahr sind Bundestagswahlen.

2017 (Ausblick und Prognose. Die nachfolgenden Zahlen und Angaben sind fiktiv.)
Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte sinkt zum Vorjahr und beträgt nur noch 29,49 ct/kWh. Pressekonferenz inklusive.

Die Bundestagswahl findet am 24. September statt.

Im Oktober verkündet die Bundesnetzagentur ein Einnahmen-Minus. Die EEG-Umlage für 2018 wird um 0,98 ct/kWh angehoben.

2018 (Ausblick und Prognose. Die nachfolgenden Zahlen und Angaben sind fiktiv.)
Der Bundestag beschließt die EEG-Novelle 2018 im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und hebt die Bagatellgrenze für EE-Anlagen unter 10 kWp auf. Neuanlagenbetreiber dürfen nach der neuen AusglMechV 5% ihres erzeugten Stroms unter Beibehalt der „Sonnensteuer“ selbst verbrauchen und den Rest an der Strombörse handeln.

Das Re-Powering für Windkraftanlagen wird begrenzt. Für alle WKA’s die bei Windstille keinen Strom produzieren greift die neue Verordnung zum GroKo-KreizWeis (Große Kohlekraftwerks-Anheiz-Ausgleichs-Anweisung). Die GroKo-KreizWeis gilt natürlich im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe auch für PV-Anlagen die nachts keinen Strom produzieren. Hier setzt sich im Volksmund aber der Ausdruck „Mondsteuer“ durch.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte soll dadurch weiterhin stabil unter 32,00 ct/kWh und somit sozial verträglich bleiben. Pressekonferenz inklusive.

Großkunden und die energieintensive Industrie beziehen jetzt den bereits 2014 an der Börse erworbenen Strom zum Preis von 3,09 ct/kWh.

Nachwort:
Und was macht die GUT. von 2014 bis 2018? Bietet PV-Lösungen mit intelligenten Speicher-Systemen zur Eigenverbrauchssteigerung, Energieeffizienzberatung und die Ganzjahres-Hybrid-Lösung für die Versorgung mit Wärme aus Erneuerbaren Energien mit patentierter Hochleistungstechnik .

Quellen:

http://www.unendlich-viel-energie.de/themen/akzeptanz2/akzeptanz-umfrage/umfrage-2013-buerger-befuerworten-energiewende-und-sind-bereit-die-kosten-dafuer-zu-tragen

http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_zur_Weiterentwicklung_des_bundesweiten_Ausgleichsmechanismus

https://www.clearingstelle-eeg.de/AusglMechV

http://www.iwr-institut.de/de/presse/presseinfos-energiewende/erneuerbare-energien-werden-subventioniert-staat-zahlt-keinen-cent#wie-die-EEG-Umlage-funktioniert

https://www.youtube.com/watch?v=dgtJg0GBCjU

https://www.youtube.com/watch?v=MWxWqj8Vf4k&NR

http://m.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/bsw-solar-verschlft-aufheben-des-eeg-paradoxons_100014530/

http://www.photovoltaikbuero.de/pvBueroBlog/EntryId/212/Das-EEG-Umlagenmarchen-oder-die-wundersame-Vermehrung-der-EEG-Umlage

http://www.neueenergie.net/politik/deutschland/eeg-2014-das-ziel-ist-verunsicherung

http://www.solarify.eu/2014/04/03/135-stromexport-allzeithoch-energieimporte-gestiegen/

http://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz#EEG-Novelle_2014

https://www.clearingstelle-eeg.de/eeg2014/urfassung/material

http://www.bund.net/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/eeg-reform-gefaehrdet-engagement-kleinerer-privater-investoren-neue-studie-der-leuphana-universitae/

http://www.iwr.de/news.php?id=26604

http://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/2014/energiewende-braucht-mehr-schub-statt-schwarz-rote-bremse

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/windraeder-in-bayern-aerger-um-abstand-zu-wohnhaeusern-a-979758.html

http://www.iwr-institut.de/de/presse/presseinfos-energiewende/strompreise-fuer-verbraucher-steigen-boersen-strompreise-sinken-auf-rekordtiefs

http://www.iwrpressedienst.de/Textausgabe.php?id=4782

www.bdew.de/internet.nsf/id/123176ABDD9ECE5DC1257AA20040E368/$file/13 05 27 BDEW_Strompreisanalyse_Mai 2013.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Strompreis

http://de.wikipedia.org/wiki/Bedarf_an_elektrischer_Energie